Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-
Dr. Helmut Bleiber Zur Darstellung des Vormärz und der bürgerlich-demokratischen Revo- lution von 1848/49 in Deutschland in der bürgerlichen Geschichtsschrei- bung der BRD Die Pflege von historischen Traditionen ist nie Selbstzweck. Die Stel- lung jeder beliebigen Klasse oder politischen Gruppierung zur Geschich- te insgesamt und zu einzelnen geschichtlichen Ereignissen war und ist stets ein wichtiger Bestandteil des von ihr geführten politisch-ideolo- gischen Klassenkampfes. Das gilt voll und ganz auch für die Auseinan- dersetzungen um das Erbe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.1 Wie die Revolution überhaupt, so stand in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Niederlage auch die Beschäftigung mit ihrer Geschichte unter dem Verdikt der Reaktion. Auch die Verwirklichung der „Revolution von oben", die in der Reichsgründung 1871 ihren Abschluß fand, schuf kei- neswegs günstigere Bedingungen für die Behandlung oder gar gerech- tere Würdigung der Revolution. Die borussische Richtung der Geschichts- schreibung eines Sybel und Treitschke hatte für das revolutionäre und demokratische Anliegen von 1848/49 nur Haß zur Verfügung und für die schwächliche Politik der Liberalen herablassenden Spott. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Vertreter der bürgerlichen Historiographie die Revolution von 1848/49 als einen Gegen- stand zu akzeptieren, mit dem sich zu beschäftigen nicht mehr unbedingt als diskriminierend empfunden wurde. Der 50. Jahrestag der Revolution war nur ein äußerer Anlaß dafür, daß sie bei einigen Universitätspro- fessoren jetzt gleichsam hoffähig wurde. Der eigentliche Grund lag tiefer. Wenn um die Jahrhundertwende Historiker wie E. Marcks, M. Lenz, H. Oncken u. a. sich gegen die einschränkungslose Verurteilung der Revolution durch Treitschke und seine Parteigänger wandten und die Aufgabe stellten, dieses Ereignis zum Gegenstand ernsthafter histo- rischer Forschung zu machen, so hing das offenbar mit der in gewissen Schichten der herrschenden Klasse um sich greifenden Erkenntnis zu- sammen, daß das Reich, wie es Bismarck hinterlassen hatte, doch ein recht brüchiger Boden für die Bourgeoisie war, der von der immer mehr erstarkenden Arbeiterklasse gesprengt zu werden drohte. Aber die vorgenommene Rehabilitierung blieb bescheiden. Sie wurde lediglich — und auch das nur teilweise — den gemäßigten Liberalen von 1848 und besonders dem Anliegen der Paulskirche zuteil. Das Interesse für die liberalen und parlamentarischen Traditionen der Revolution von 1848/49 wuchs, als die Novemberrevolution von 1918 die von Bismarck geschaffene Form des Reiches zerstörte und das kapita-