FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31
FILMUNDBILD Zeitschrift der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaß und Unterricht HERAUSGEBER: DR. DR. K. GAUGER S SCHRIFTWALTER:DR. W.MOHAUPT * Y ! BERLIN W62. KLEISTSTRASSE 10—12 POSTSCHLIESSFACH 99 <• RUF 250019 8. Jahrgang Heft 3 15. März 1942 Christian Scholz Unterrichtsfilme der Schule und Lehrfilme der Wehrmacht Ein Vergleich In den letzten Jahren hat eich die Verwendung des Films im Unterricht der Schulen und der Wehrmacht mehr und mehr durchgesetzt. Dank der Vervollkommnung in der Aufnahme- und Wiedergabetechnik und besonders infolge der wachsenden Wertschätzung seitens der Unterrichten- den konnte er sich in immer erweiterndem Umfang Raum im Unterricht erobern. Anschaulich, lebendig und ab- wechslungsreich zu sein, das betreffende Stoffgebiet lebenswahr und lebensnah zu zeigen, sind seine großen Vorzüge. Methodisch richtig eingesetzt, ist der Film tat- sächlich eins der wichtigsten Unterrichtsmittel (neben Bildern, Fotos, Modellen und Lichtbildern) geworden. In der Heeresfilmstelle besitzt das Heer eine modern eingerichtete Produktionsstätte für seine Lehr- filme. Eigene Trupps führen die Aufnahmen durch. In den zur Heeresfilmstelle gehörenden Ateliers und Werk- stätten werden die Streifen zum fertigen Film zusam- mengestellt. Dort entstehen die auf Veranlassung des Oberkommandos des Heeres gedrehten Filme, welche die Truppe für Unterrichtszwecke braucht. Die Infanterie bedarf Lehrmaterials, das die Handhabung der verschie- denen Waffen, den Einsatz einer Schützenkompanie u. a. zeigt. Die Artillerie braucht Filmstreifen über Geschütz- bedienung, Handhabung der Munition, Instellunggehen einer Batterie usw. Jede Waffengattung hat ihre (oft schon erfüllten) Wünsche. Der Rekrut, der auf dem Ka- sernenhof oder im Gelände seine Grundausbildung er- fährt, sieht im Film, wie das MG., der Panzer, wie die Haubitze vorbildlich bedient werden. Aber auch Filme, welche den Einsatz seiner Schwadron, seiner Batterie zeigen, bekommt er zu sehen. Dabei wird ihm noch vor seinem Fronteinsatz klar, daß alle reibungslos zusam- menarbeiten müssen, daß es auf jeden ankommt, und daß alle nach einer Vorschrift und nach gleichen Richt- linien ausgebildet sein müssen. Eine bessere Visitenkarte als das Verzeichnis ihrer Filme kann die Reichsanstalt für Film und Bild schwerlich präsentieren. Man bedauert, daß solches Un- terrichtsmaterial nicht schon früher in der Schule ge- boten werden konnte! Und dazu kommt noch die statt- liche Reihe der in Arbeit befindlichen oder geplanten Vorhaben. Es ist reizvoll, die Ergebnisse dieser beiden in gleicher Richtung, aber unter verschiedenen Voraussetzungen ar- beitenden zentralen Stellen für Heer und Schule, gegen- überzustellen und zu vergleichen. a) Der Lehrfilm der Wehrmacht ist für erwachsene, jedoch geistig sehr, verschieden gewandte und ausgebil- dete Menschen bestimmt. Mit seiner Hilfe sollen die Sol- daten mit den letzten technischen Fein- heiten ihres Waffendienstes vertraut gemacht werden. Die für die Schulen herausgegebenen militärischen Unterrichtsfilme geben den Schülern eine Übersicht über militärische Vorgänge und Zusammenhänge. Sie lassen bewußt eine Unzahl minutiöser Einzelheiten fort. Sie stellen aber nicht etwa verkürzte Fassungen der Heeres-Lchrfilme dar. Auch ergehen sie sich keineswegs in laienhafter Wiedergabe des militärischen Milieus. Sie wurden eigens für die Bedürfnisse der Schulen in neuer künstlerischer Form hergestellt. Bei der Planung und bei den Aufnahmen haben das OKW oder die Wehr- machtteile mit ihren Waffenabteilungen Hilfe und Bat gewährt. Die militärischen Unterrichtsfilme der BWU stellen einen sehr wertvollen Faktor in der Wehrertüch- tigung unserer deutschen Jugend dar — eben in einer Form, die dem Auffassungsvermögen der betreffenden Altersstufe angepaßt ist. Die Jungens und Mädels lernen durch den Unterrichtsfilm die einzelnen Waffengattun- gen, die Aufgaben einer Kompanie, einer Batterie, die Pflichten eines Zugführers, eines Meldereiters usw. ken- nen. Sie sehen, wie der Infanterist sich unter dem Schutze des Artilleristen an die feindliche Stellung her- anarbeitet, wie der Pionier ihn bei dem Angriff auf Bun- ker unterstützt, wie der Panzer angreift, wie die Luft- waffe die feindlichen Stellungen bombardiert und gegne- rische Truppenansammlungen zersprengt, wie die Marine gegen die englische Küste vorstößt usw. So lernen sie zu begreifen, daß alle diese verschiedenen Waffengattun- gen und Wehrmachtteile in treuester Kameradschaft zu- sammenkämpfen. b) Der moderne Lehrfilm, den die Wehrmacht ver- wendet, ist zumeist Tonfilm. Er macht es den Soldaten in mustergültiger Weise vor, wie die betreffende Waffe oder das Gerät behandelt und eingesetzt wird. Wenige Worte des Kompaniechefs unterstreichen besonders wichtige Punkte der Ausbildung. Die Vorführung wird nicht unterbrochen. In der Schule wird der Stummfilm verwendet. Die persönlichen Bindungen und die vom Erzieher zum Schüler gerichtete menschliche Einwirkung in der geisti- gen Erziehung der Jugend bleibt durch die mündliche Er- läuterung des Lehrers erhalten. Der normalisierte Be- gleitvortrag im Tonfilm würde dies zerstören. An Hand des Beiheftes und eigener Erlebnisse während der sol- datischen Ausbildung oder im Kriege schildert der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben und Taten der ver- 31